Bauen

Wie baut man denn heute so? Ausflüge in den Musterhauspark

Heute gibt´s einen Häuslebauer-Beitrag, ich möchte nämlich gerne über unsere Erfahrungen mit Fertighausanbietern (im klassischen Sinne) schreiben. Die waren nämlich recht, äh, durchwachsen. Etwa letztes Jahr im September fassten wir den Entschluss, ein Haus zu bauen. Wenn man mit dieser Thematik so dermaßen gar keine Erfahrung hat wie ich, fühlt sich dieses Vorhaben ungefähr so an, als müsste man die Vorbereitungen für eine Mondbesiedelung koordinieren. Also erstmal großes Gekreische und Hyperventilation! Und dann die Suchmaschinen befragen. Ziemlich schnell stießen wir dann vor allem auf Fertighausanbieter und die Frage, ob Massivbau oder Holzkonstruktion.

Weil wir uns zwischenzeitlich immerhin sicher waren, dass wir unser Haus mit einer zusätzlichen Wohnung für meine Mama bauen wollen, konzentrierten wir uns bei unserer Online-Suche zunächst auf Hausbaufirmen, die entsprechende Grundrisse vorweisen konnten. Zufällig haben einige dieser Anbieter Musterhäuser im gar nicht weit von uns entfernten Musterhauspark Bad Vilbel stehen. Also ab in die Karre und hinkutschiert und, das finde ich bis heute noch erstaunlich, wir waren tatsächlich vollkommen unvoreingenommen. Wir haben uns davor nämlich keine Erfahrungsberichte durchgelesen, die darauf hätten hinweisen können, was uns dort blüht.

Erfahrungen mit Fertighausanbietern

Also hatte zumindest ich erstmal gar nicht an das gedacht, was man als zukünftige Bauherrin nie, nie, nie vergessen darf, wenn man in Erwägung zieht, mit einem Fertighausanbieter zu bauen: Die Handelsvertreter, die in den Musterhäusern sitzen, bekommen natürlich eine saftige Provision für jedes verkaufte (mich juckt es schon in den Fingern zu schreiben „aufgeschwatzte“) Haus. Das ist ja an und für sich nicht mal schlimm, in vielen Firmen werden gute Vertriebler mit Provisionen belohnt und angespornt, ihr Bestes zu geben. Ich weiß es nicht sicher, glaube aber, dass die Musterhaus-Handelsvertreter eben nicht sonderlich viel mehr bekommen, also ihr Grundgehalt recht mager ist, so sie denn überhaupt eines erhalten. Was mich jedoch schier vom guten Glauben hat abfallen lassen, ist, wie sehr diese Provisionsgier von manchen Handelsvertretern gelebt wird. Wir hatten bei einem (günstigen) Hausanbieter einen Fall, bei dem man uns ernsthaft nach 5 Minuten Erklärung, was wir uns denn so vorstellen, einen Vertrag für ein „schlüsselfertiges beliebtes Hausmodell, das unseren Kriterien entspricht“, unter die Nase hielt. Mit Stift, zur Unterschrift. Ich so: „Ach komm, das können se sich jetzt aber sonstwo …“, nee, natürlich nicht, aber ich war innerlich entrüstet und spätestens hier kamen Zweifel auf, ob das denn überhaupt was werden könnte, mit uns und so einem Fertighaus. Dass schon bei einem Erstgespräch Druck hinsichtlich einer baldigen Vertragsunterzeichnung aufgebaut wird, haben wir dort im Übrigen öfter erlebt.

Enttäuscht waren wir besonders von einem Fertighausanbieter, mit dessen Vertreter wir ein sehr langes, nettes und in unseren Augen kompetentes Erstgespräch führten, bei dem uns versichert wurde, dass wir ein Haus ganz nach unseren Wünschen gestalten können und, was den Grundriss betrifft, uns alle Möglichkeiten offen stehen. Und immerhin, er war der erste, der zumindest mal einen Blick auf unseren (übrigens sehr alten und demzufolge unflexiblen) Bebauungsplan werfen wollte. Leider hat er ihn falsch gelesen, so dass uns ein doch recht einschränkendes Hauskonzept präsentiert wurde. Beim Folgegespräch zeigte sich dann auch, dass sich die gestalterischen Möglichkeiten in etwa darauf beschränkten, dass wir das Kinderzimmer mit dem Schlafzimmer tauschen konnten. Und dann kam die Keule, die leider im Musterhauspark so viele geschwungen haben: Ende des Monats käme eine ordentliche Preiserhöhung und wenn wir diese umgehen wollten, dann müssten wir uns gleich nächste Woche zur Vertragsunterzeichnung treffen. Ach, und zum Finanzierungsgespräch auch. Man kenne auch einen unabhängigen Finanzberater, der käme dann gleich mit. Wir sagten dann, dass wir das so schnell nicht entscheiden wollen und baten darum, uns die Grundrisse einmal auszudrucken oder per Mail zukommen zu lassen, damit wir uns in Ruhe Gedanken machen können. Nö, macht er nicht, das geht leider nicht. Man könnte ja sonst mit den Grundrissen zu einem anderen Anbieter gehen. Krass, oder? Ich meine, wer unterschreibt denn innerhalb einer Woche einen Vertrag für einen Hausbau in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro, wenn er sich am selben Abend nicht mal mehr genau an den Grundriss erinnern kann? Und wenn er noch nicht mal weiß, ob das zuständige Landratsamt das Bauvorhaben überhaupt genehmigt, weil das Fertighaus nicht die Vorgaben des Bebauungsplans einhält? Auf unsere (wirklich nette, mit guten persönlichen Wünschen trallala, etc.) Absagemail kam bezeichnenderweise auch nichts mehr zurück.

Fairerweise muss ich sagen, dass wir bei weiteren Besuchen auch zwei sehr gute Erfahrungen mit kompetenten Fertighausanbietern bzw. deren Handelsvertretern gemacht haben (eher mittleres bis gehobenes Preissegment), die uns nicht so schnell auf die Pelle rückten und klipp und klar kommunizierten, wenn etwas mit ihren Angeboten nicht machbar war, etwa wenn wir besondere Wünsche hinsichtlich des Grundrisses hatten. Allerdings hatten wir zu diesem Zeitpunkt schon ein Auge auf unsere jetzige Baufirma geworfen und irgendwie waren wir dann auch ganz froh, nach all unseren negativen Erfahrungen das Kapitel Fertighaus aus dem Musterhauskatalog abschließen zu können. Um sich aber Inspirationen zu holen und mal ein Gefühl für verschiedene Baustile und Oberflächengestaltungen zu bekommen, ist so ein Tag im Musterhauspark sicher eine gute Entscheidung – und es gibt bestimmt auch viele Häuslebauer, die dort fündig werden und ihr Traumhaus bauen oder schon happy darin leben. Nur für uns war es eben nichts.

Das wirklich schlimme ist ja, dass offenbar gerade die günstigeren Fertighausanbieter diesen unverschämten Vertragsdruck aufbringen. Dabei läuft natürlich bei ihnen „alles wie am Schnürchen“ und sie suggerieren beim Erstgespräch, dass man mit einem Hausbau bei ihnen das Rundumsorglospaket bekommt. Wenn ich mir nun vorstelle, dass diese Firmen meist die erste Anlaufstelle ausgerechnet für die jungen Familien sind, die ein sehr knappes Budget und noch dazu wenig Zeit haben, wird mir ganz anders. Denn es kommt leider offenbar immer wieder vor, dass zukünftige Bauherren im Freudentaumel über das Eigenheim einen Vertrag für ein Fertighaus unterschreiben, ohne überhaupt ein dazu passendes Grundstück zu besitzen oder zu wissen, was der Bebauungsplan vorsieht. Und wenn man das Haus dann nicht bauen darf … Supergau! Falls es dann für den Fall der Fälle überhaupt eine Rücktrittsklausel vom Bauvertrag gibt, sind diese Familien dann schnell mal durchaus 10 % des Hauspreises als Rücktrittsgebühr los. Das kann für manche, die knapp kalkuliert haben, den Traum vom Hausbau durchaus zerplatzen lassen.

Hui, das war jetzt ganz schön viel Genörgel – aber das darf man ja auch mal, gell? 😉 Nächstes Wochenende bin ich übrigens bei der lieben Familie auf dem Land und somit direkt an unserem zukünftigen Wohnort. Da mache ich dann auch mal ein aktuelles Bild vom Grundstück für alle Neugierigen.

2 Comments

  • Sandra

    Dort waren wir auch, aber da wir kaufen und nicht bauen wollten und gleich erklärten, nur mal zu gucken, was man so machen kann, haben wir keine Verträge unter die Nase gehalten bekommen. Oder die Vertreter waren andere. Wir haben so jedenfalls gute Erfahrungen dort gemacht, da die Vertreter in Plauderlaune waren und wir viele Tipps bekommen haben, wo man bspw. auch noch bezahlbar bauen kann (wollten wir eh nicht und schon gar nicht hinter die Saalburg!). Von einem Vertreter kamen wir gar nicht mehr los- am Schluss wurde es etwas Strange, weil er uns Kristalle für die Zimmerecken empfohlen hat. Aber bei ihm gabs noch nen Kaffee on top und einen Kontakt für einen Kaminbauer.

    Wir haben inzwischen in Dreieich-Sprendlingen gekauft und ich bin so froh, all die Fragen in Bezug auf Böden, etc. loszusein und mich auf das Topping konzentrieren zu können, das letzte von 3 Bädern zu renovieren, den Garten zu planen und den Kamin (Brotbackfach!!! Duft!!!).

    Viel Erfolg und ich lese gerne wieder mit! Sowohl was Rezepte angeht, als auch das Häuschen.

    Sandra

    • Christina

      Liebe Sandra,
      schön, dass Du wieder dabei bist! Ja, rückblickend hätten wir in Bad Vilbel nicht gleich so direkt mit unserem Bauvorhaben rausrückend sollen. Wir wussten schon recht genau, was wir wollen, da haben die wahrscheinlich gleich die Unterzeichnung gewittert und entsprechend aufgefahren.
      Ohh, dann sind wir ja quasi Nachbarn. 🙂 Kaufen wäre für uns auch eine Option gewesen, hätten wir was Schönes (und bezahlbares) gefunden. Ich hab ja immer ein bisschen davon geträumt, einen Altbau zu restaurieren. Dass wir das Grundstück dann aber schon hatten, war schon ein starker Entscheidungsbeschleuniger. Ich wünsch Dir viel Spaß beim Restrenovieren und Gartenplanen, vor allem auf Letzteres freue ich mich auch total. Den Kamin haben wir nach langen Überlegungen erstmal rausgeschmissen. Ich hoffe, wir bereuen dass nicht, vor allem wenn ich jetzt was von Brotbackfach lese. 😉 Uaahhh!!

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