Rezepte

Geröstetes Brot mit Spinat und pochiertem Ei: Für ein bisschen Muse im Alltag

Ihr glaubt gar nicht, wie oft es bei uns gerade Brot gibt, und zwar auch zum Mittagessen. Vorzugsweise deswegen, weil es schnell geht. Zeit ist im Moment nämlich nicht gerade das Gut, mit dem ich wild um mich schmeißen könnte, zumindest nicht tagsüber. Aber wer kann das schon? Und ist es nicht die Kunst, sich seine Zeit so einzuteilen und zu nutzen, dass man selbst in hektischen Phasen ein bisschen Raum für Muse hat? Während meines Studiums habe ich einmal eine Seminararbeit über Augustinus und seine berühmte Frage „Was also ist die Zeit?“ aus dem elften Buch der Confessiones geschrieben. Kaum eine Arbeit ist mir bis heute so in Erinnerung geblieben, nicht zuletzt, weil ich mir über die Zeit auch immer wieder den Kopf zerbreche – oder vielmehr: Über meinen Umgang mit der Zeit. Neulich bin ich auf einen älteren Artikel des französischen Wissenschaftsphilosophen und Physikers Étienne Klein zu Augustinus und dessen Auffassung von Zeit gestoßen, bei dem vor allem diese Aussage bei mir nachhallte:

„Die Behauptung, dass sich die Schnelligkeit der Zeit erhöht, ist eine trügerische Verkürzung mit weitreichenden Folgen, die unsere psychische Beziehung zur Gegenwart schleichend verändert: Wir haben ständig das Gefühl, zu spät zu kommen im Hinblick auf irgendeinen Rhythmus, den die heutige Welt angeblich hat.“

Vielleicht beschäftigt mich das gerade so sehr, weil ich die Zeit zwischen den Jahren, die ich sonst eher still und gemütlich für eine Rückschau auf das alte und einen „vorsortierenden“ Ausblick ins neue Jahr nutze, diesmal so gar nicht hatte (phänomanal schlechtes Erkältungstiming). Oder weil ich auch eher so eine bin, die öfter mal behauptet (eher: hysterisch schreit), dass die Zeit immer schneller vergeht. Also, 2020, ich trete erstmal schön auf die Bremse, mehr Leben für die Gegenwart, für den Moment. Dieser ist übrigens für Augustinus das verrückteste Paradoxon der Zeit: Der Moment ist immer da und gleichzeitig schon vorbei.

Jetzt aber zurück zum Brot. Die Idee bzw. das Rezept stammt leicht abgewandelt aus dem Buch „Aufs Brot – Aufstriche und mehr“.* Ich habe es schon ganz lange in der Pipeline, weil es so einfach und alltagstauglich ist und vieles vereint, was ich sehr gerne esse. Und flüssiges Eigelb … ich weiß, man liebt es oder es lupft einen fast, ich glaube so ein Zwischending gibt es da selten, oder? Ich könnte warmes, leicht gesalzenes, flüssiges Eigelb, ähnlich wie flüssige Schokolade, wahrscheinlich aus einem Maßkrug trinken. Und: Wenn das Ei für dieses Brot hier dann von der Kelle langsam ins heiße Wasser flutscht und so leise vor sich hinblubbert, während die Wintersonne am Nachmittag durchs Fenster auf den vom Topf aufsteigenden Dampf scheint, ist es für einen Moment tatsächlich so, als würde die Zeit stillstehen. Wunderschön!

Hier kommt das Rezept für zwei geröstete Brote mit Spinat und pochiertem Ei

Zutaten:
1 EL Olivenöl
1/2 Baguette (oder Ciabatta)
50g getrocknete Tomaten
1/2 Zwiebel
1 Knoblauchzehe
200 g Blattspinat
3-4 EL Olivenöl
2 Eier
3 EL Weißweinessig
etwas geriebener Parmesan
Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Zubereitung:
Olivenöl in einer Pfanne erhitzen. Baguette quer halbieren und die Hälften im heißen Olivenöl anrösten. Die getrockneten Tomaten mit heißem Wasser übergießen und etwas quellen lassen. Währenddessen Spinat putzen und waschen. Tomaten gut abtropfen lassen und grob hacken. Zwiebel und Knoblauch in feine Scheiben schneiden und im heißen Olivenöl dünsten. Tomaten und Spinat dazugeben und alles etwa 4 Minuten dünsten.

Wasser in einem Topf zum Kochen bringen, Essig und eine Prise Salz dazugeben, dann auf die kleinste Stufe runterschalten, damit das Wasser nicht mehr kocht. Eier einzeln in eine Suppenkelle aufschlagen, langsam ins heiße Wasser gleiten und 4 Minuten ziehen lassen (oder 5, wenn es eher große Eier sind).

Spinatmischung auf die Baguettehälften verteilen, pochierte Eier daraufsetzen (reinpieksen, damit das Eigelb schön rausläuft, ahhhh) und mit Parmesan bestreuen. Pfeffer darüber mahlen und servieren.

Geröstetes Brot mit pochiertem Ei und Spinat

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6 Comments

  • milchmädchen.

    Ach, Christina – offene Türen! Es ist für mich ein neues Phänomen, aber gerade nehme ich Zeit bzw. meine Wahrnehmung ihrer Beschaffenheit sehr deutlich wahr. Also: Wann habe ich den Eindruck, dass sie fliegt, wann fühlt es sich an als sei sie Kaugummi, warum ist das so und welchen Einfluss habe ich mit meinem „MIndset“ darauf. Und witzigerweise hat es obige Stulle bei mir schon viel zu lange nicht mehr gegeben. Danke fürs Erinnern!
    Sehr herzlich: Charlotte

    • Christina

      An meinem gedanklichen Einfluss müsste ich echt arbeiten, aber gerade das ist so oft eine Herausforderung, gell? Und sag, liebe Charlotte, hattest Du einen Link im Kommentar gesetzt? Der ist irgendwie nicht mitgekommen, sende ihn doch gerne nochmal.

  • Susanne

    Ach ja, die Zeit. Eigentlich weiß ich das ja, dass ich um so weniger davon habe, je schneller ich renne. Jetzt müßte ich diese tolle Erkenntnis nur noch in die Tat umsetzen. Daran scheitere ich immer wieder grandios. Darauf eine Stulle!

    • Christina

      Same here. 🙂 Bei mir ist es auch ganz oft so, dass ich in der Zeit, in der ich meine Zeit plane, eigentlich schon die Hälfte von dem, was ich tun müsste, erledigt hätte. Ist auf jeden Fall ausbaufähig bei mir, hihi.

  • Micha

    Da sind wir heute gar nicht weit auseinander in unseren Gedanken, Christina! Die eigene Zeit, die innere Ruhe, die Gelassenheit – alles geht Hand in Hand. Und es ist ein Mysterium, dass sich Zeit SO unterschiedlich anfühlen kann: mit einer Stulle Brot mit lecker Ei in der Hand oder aber etwa eine Schulstunde Erdkunde bei Herrn Göpfrich… dazwischen liegen Welten bei gleicher Minutenzahl!

    ganz viele und ganz herzliche Grüße…

    • Christina

      Du sagst es Micha, die Zeit verändert sich stark mit der eigenen Wahrnehmung und Bewertung. Puh, die Schule war streckenweise ohnehin eine Geduldsprobe. Gefühlt stand die Zeit selten wieder so oft und so lange still. Wenn ich daran denke, könnte ich jetzt noch schlafen. 😉

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