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Baustellenupdate: Wände grundieren und tapezieren

Jetzt sind wir also mittendrin im Innenausbau und so langsam ist der Endspurt unseres Projekts Hausbau deutlich zu spüren. In erster Linie in meiner quasi nicht vorhandenen Armmuskulatur, die durch Wände grundieren, Tapete zuschneiden und tapezieren plötzlich vor ganz neue Herausforderungen gestellt wird. Weil jetzt schon einige gefragt haben, welche Eigenleistungen wir erbringen und vor allem wie, kommt heute ein kleiner Bericht über unsere Erfahrungen beim Tapezieren (und wie ich dadurch vielleicht vom Lauch zum Berserker werde, denn so ein bisschen wie so ein Arm-Day im Fitti ist das Grundieren und Tapezieren schon).
Unser Haus wird uns tapezierfertig übergeben, das heißt, dass die Wände schon eine Q2-Verspachtelung haben, sogar etwas besser, denn durch die schon sehr glatten Fermacellplatten und die super Verputzarbeit unseres Trockenbauers, können wir darauf auch glatte Oberflächen verwirklichen. Mit Q1 bis Q4-Verspachtelung bezeichnet man übrigens die verschiedenen Qualitätsstufen, in die die Verspachtelung von Wänden und Decken aufgeteilt ist, Q4 ist am hochwertigsten und eignet sich für alle sehr glatten Wandbekleidungen. Nachdem wir ursprünglich das gesamte Haus in Q4 verspachteln lassen wollten, sind wir mittlerweile aus Kostengründen davon abgerückt. Bei knapp 1000 Quadratmetern Wandfläche werden wir nun also einen Teil mit Malervlies selbst tapezieren, sehr hohe Wände im Treppenhaus sowie die Decken von unserem Trockenbauer übernehmen lassen, und wahrscheinlich nur im Erdgeschoss die Wände entweder fein verputzen oder eben doch in hoher Qualität verspachteln lassen. Bevor wir aber die Tapete anbringen konnten, mussten wir unsere Wände grundieren.

Q2-Verspachtelung einer Trockenbauwand

Warum ist eine Grundierung der Wände vorm Tapezieren oder Streichen überhaupt notwendig und wie prüft man es?

Um zu prüfen, ob ihr vor dem Tapezieren oder Streichen eine Grundierung benötigt, gibt es mehrere Tests. Gleich vorneweg: Wir haben keinen davon durchgeführt, weil wir unseren Wandaufbau beziehungsweise den Untergrund ja sehr gut kennen. Fermacellplatten, also quasi Gipsfaserplatten, saugen gerne Feuchtigkeit auf, da sie offenporig sind. Deswegen war für uns eine Grundierung der Wände vor dem Tapezieren ohnehin unerlässlich. Testen könnt ihr dennoch, indem ihr beispielsweise mit dem Schwammtest etwas Wasser auf den Untergrund spritzt oder mit einem Schwamm aufdrückt und schaut, ob es schnell aufgesaugt wird. Oder ihr wischt mit der Hand über die Wand, der sogenannte Wischtest. Wenn ihr dann kreidige Rückstände an der Hand habt, sollte ebenfalls grundiert werden. Noch aussagekräftiger ist der Klebetest, bei dem man ein Stück Klebeband auf die Wand klebt und abzieht. Findet sich daran Spachtelmasse oder sandige Partikel, ist es Zeit für eine Wandgrundierung.

Tiefengrund oder Haftgrund? Mit was grundiert man die Wände am besten?

Wegen dem besonders großporigen und saugfähigen Untergrund, den unsere Fermacellplatten bieten, haben wir uns für Tiefengrund entschieden, da dieser die Poren optimal verstopft. Eine andere Möglichkeit ist Haftgrund, den man aber eher bei wenig oder nicht saugendem Untergrund verwendet. Außerdem verfestigt Tiefengrund zusätzlich den Untergrund und bindet Staub. Letzteres spielt ja gerade im Neubau eine nicht zu unterschätzende Rolle, denn spätestens nachdem der Estrich geschliffen wurde, hängt überall ein feiner, weißer Staub, der durch den Tiefengrund zumindest an der Wand etwas im Zaum gehalten wird (reinigen sollte man die Wand vor der Grundierung aber trotzdem, wenn sie stark eingestaubt ist, zum Beispiel durch Abbürsten oder, noch besser, durch Absaugen).
Haftgrund hingegen dringt nicht so tief in den Untergrund ein und sorgt vor allem bei Flächen, die sonst eine eher abweisende Wirkung haben (wie zum Beispiel Beton) für eine gute Haftung.

Wände grundieren fürs Tapezieren

Muss man Wände überhaupt grundieren? Ich würde es jedem empfehlen, es sein denn, alle oben genannten Tests fallen negativ aus und die Wandbeschaffenheit ist dementsprechend gleichmäßig. Und ehrlich, der Zeitaufwand und die Kosten für eine Wandgrundierung sind absolut überschaubar beziehungsweise niedrig. Und was die Skills betrifft: Ich kann gerade mal Ostereier bemalen und es war absolut kein Problem, die Grundierung sauber aufzutragen. Also durchaus anfängergeeignet und vor allem etwas, bei dem man beim Hausbau und auch bei Renovierungen durch Eigenleitung einiges an Kosten sparen kann. Wir haben mit Rolle, Teleskop-Stiel, Quast, Eckpinsel bzw. Heizkörperpinsel für die Ecken und einem Abstreifgitter aus Metall gearbeitet, den Tiefengrund haben wir portionsweise in einen Baueimer geschüttet. Man könnte die Grundierung auch aufsprühen, dafür hatten wir aber bis dahin noch nicht das passende Gerät. Bei der Grundierung habe ich also die Ecken und den Sockelbereich mit dem Eckpinsel und Tiefengrund vorberarbeitet und mein Mann hat sich dann um die Flächen gekümmert. Zur Sicherheit ist es besser, man trägt Brille und Handschuhe, wer empfindlich ist vielleicht sogar eine Maske, beim Grundieren der Wände. Tiefengrund und Haftgrund fallen – obwohl mittlerweile glücklicherweise lösemittelfrei – schon eher in die Kategorie aggressives Zeug. Links auf dem Bild oben sieht man gut die Ecke, die ich bereits mit Tiefengrund bearbeitet habe. Die Kleine hingegen rollert natürlich keinen Tiefengrund auf die Wand, sondern ungiftigen Tapetenkleister. Zum Tapezieren kommen wir nämlich jetzt.

Tapete zuschneiden

Wie schon erwähnt, haben wir uns wegen den Kosten dafür entschieden, einen Teil der Wände selbst mit Malervlies zu tapezieren und auch zu streichen. Die meisten Trockenbauer oder Maler rechnen pro Quadratmeter ab. Die Preise fürs Tapezieren sind je nach Region und Ausbildungsgrad des Handwerkers recht unterschiedlich.
Vielleicht noch ein Wort zu Handwerkern grundsätzlich: Weil wir ja selbst immer viele Baublogs und Erfahrungsberichte gelesen haben, haben wir so oft gehört, dass es Probleme mit Handwerkern gab oder irgendwas schief lief. Das geht definitiv auch anders!
Unser Trockenbauer Rudolf Grimm hat uns für die Arbeiten, die wir selbst ausführen konnten, viele Tipps gegeben (zum Beispiel, dass man den Tiefengrund mit etwas Kleister anreichern kann, damit er nicht so tropft, vor allem wenn man Decken grundiert). Nicht zuletzt war das Tapezieren für uns ja deswegen so einfach, weil er alle Wände so super und qualitativ hochwertig vorbearbeitet hat. Er stand uns auch während der gesamten Trockenbauphase mit Rat und Tat zur Seite, wir konnten ihn jederzeit erreichen und auch mal bei nicht direkt auf sein Fachgebiet bezogenen Themen auf seinen riesigen Erfahrungsschatz bauen. Für diese positive Erfahrung bin ich sehr dankbar! Und natürlich mache ich hier sehr gerne Werbung von Herzen und empfehle ich ihn für den Großraum Miltenberg für sämtliche Trockenbauarbeiten, Maler- und Tapezierarbeiten sowie Spachtel- und Putzarbeiten weiter. Er hat nur leider keine Homepage, aber wenn man seinen Namen und Trockenbau googelt, findet man ihn. 😉
Summasummarum haben wir übrigens alleine durch die Eigenleistung beim Tapezieren einen nicht mal so niedrigen vierstelligen Betrag einsparen können.

Tapeziertisch, Tapeziergerät, Meterzähler & Co.: Braucht man das?

Wir haben beim Zuschneiden der Tapete beziehungsweise des Malervlies übrigens ohne Tapeziergerät, mit dem man das Malervlies abrollen und schneiden kann, und ohne Meterzähler gearbeitet. Die richtige Länge des Malervlies haben wir einmal auf dem Tapeziertisch abgemessen und mit einem kleinen Strich auf dem Holz markiert. Dann einfach bis zum Strich ausgerollt, darauf geachtet, dass das Malervlies unten am Tisch und an einer Seite exakt aufliegt (also nicht so, wie oben auf dem Bild ;-)) und dann mit dem Winkelmesser eine Linie gezogen, schnippeldischnapp abgeschnitten, und fertig ist ein schönes, passgenaues Malervliesröllchen. Nach ein, zwei Bahnen ging das Malervliesschneiden wirklich ruckzuck. Und ja, zu zweit geht es – wie immer – auch beim Tapezieren deutlich schneller. Denn während der eine die Tapete bzw. das Vlies zuschneidet, kann der andere sie schonmal anbringen. Nichtsdestotrotz, wer sich Tapeziergerät und Meterzähler leihen kann oder kaufen möchte, ist damit sicher NOCH ein bisschen schneller. 😉 Auf dem Bild unten ist ein kleines Vorher-Nachher zu sehen (übrigens von der anderen Haushälfte, warum wir nämlich quasi ein Doppelhaus bauen, dazu erzähle ich bald mehr). Wenn man jetzt ins Haus kommt, sieht es schon wieder ein Stückchen fertiger aus. Vorfreude!!!

Tapezieren in der Galerie: Vorher-Nachher

Next Step: Wände streichen. Und dabei, das darf ich jetzt schon verraten, haben wir professionelle Unterstützung der etwas anderen Art. 😉

3 Comments

    • Christina

      Jaaaa, liebe Micha, es geht jetzt echt alles ruckzuck. Schon verrückt, wenn man überlegt, wann wir mit der ganzen Planerei angefangen haben. 🙂

  • Rosie Beckett

    Danke für den Beitrag zu Renovierung-Tipps. Ich habe lange gesucht, um hilfreiche Informationen dazu zu finden, weil sich meine Schwester dafür sehr interessiert. Die Infos hier werde ich ihr mal weitergeben.

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