Rezepte

Paules Schuedi mit Mirabellen und Mohnbutter: Superrenner auch für Pferdemädchen

Gestern habe ich einen sonnigen Tag in Frankfurt verbracht und neben einem ausgiebigen Bummelzug durch die Lieblingsgeschäfte in erster Linie meine lieben ehemaligen Arbeitskolleginnen- und Kollegen besucht. Mit im Gepäck: Paules Schuedi (Pardon, Paules Großmutters Schuedi), der in den letzten Wochen die Runde durch so einige Foodblogs gemacht hat. Hier und da wurde das Original schon nachgebacken und gelobt, und ich hätte mich nahtlos eingereiht, wäre nicht die Version mit Mirabellen und Mohnbutter dazwischen gekommen. Zwar backt meine Oma keinen Schuedi, aber zumindest habe ich was Mirabellen betrifft eine schöne Kindheitserinnerung: Schon immer gab es in unserer Familie Pferde und Ponies und ich wurde zu meiner größten Freude direkt vom Buggy auf den Pferderücken verpflanzt. Mein Cousin und ich waren quasi die Hunnen in Miniatur und wir ritten furchtlos, ohne Helm und ohne Sattel, dafür in Turnschuhen mit Klettverschluss und einfachen, ans Halfter angeknoteten Stricken als Zügel durch das Dorf und die angrenzenden Felder. Nichts und niemand konnte uns stoppen, außer eine: Mirabelle! Eine mirakulöse Erscheinung in Form einer großen, strahlend schönen Schimmelstute, die mit vornehm gebogenem Kopf und erhobenem Schweif ihre Reiterin, die damalige Dorfschönheit (im Gegensatz zu uns natürlich mit blank polierten Lederstiefeln und Reithandschuhen), durch die Gegend trug. Mirabelle wurde natürlich französisch ausgesprochen, was die Noblesse des schneeweißen Traumpferdes für uns noch verstärkte, und jedes Mal, wenn wir auf unseren Streifzügen auf das schöne Paar stießen, zügelten wir unsere Zottelponies (die übrigens Missi und Futzi hießen, auch schön, oder? Na jetzt kommt!!!) und warteten mit aufgesperrten, kaugummiverklebten Mündern, bis die 1-Pferd-1-Frau-Prozession an uns vorüber gezogen war. Hach! Da bekomme ich jetzt noch ein bisschen Gänsehaut. Jedenfalls liebe ich Mirabellen bis heute und so konnte ich bei dem Schuedi mit Mirabellen und Mohnbutter nicht widerstehen. 

Schuedi mit Mirabellen

Hier kommt das Rezept für einen Schuedi mit Mirabellen (bei Paules Kitchen gibt es in den nächsten Wochen eine ganze Schuedi-Reihe, also liebe Leserinnen und Leser, watch out!):

Zutaten für den Teig
(wenn möglich zimmertemperiert):
350 g Mehl Type 550
160 g Milch
20 g Frischhefe
50 g Butter
30 g Rohrohrzucker
1 Ei
1 Teelöffel Salz

Für den Belag:

15 g Mohn, ganz oder gemahlen
+/- 400 g Mirabellen
80 g sehr weiche Butter
2 Esslöffel Rohrohrzucker
Abrieb von 1 Zitrone
Puderzucker zum Bestäuben

Zubereitung:
Hefe in 3 Esslöffel Milch auflösen und beiseite stellen. Restliche Milch, Butter und Zucker erhitzen, bis die Butter geschmolzen ist. Auf mindestens 38°C abkühlen lassen, sonst sterben die Hefekulturen ab. Mehl in die Rührschüssel der Küchenmaschine geben. Milchmischung hinzugeben, sowie Ei und aufgelöste Hefe. Alles 4 Minuten auf Stufe 1 (von 4) kneten. Salz hinzugeben und auf Stufe 2 weitere 8 Minuten kneten. Zugedeckt 40 Minuten ruhen lassen. Backform buttern und mehlieren oder mit Backpapier auskleiden. Den Teig kurz entgasen, rund formen und mit den Händen in die Form drücken. Zugedeckt ca. 40 Minuten gehen lassen. Backofen rechtzeitig auf 180°C Ober-/Unterhitze vorheizen. In der Zwischenzeit Mohn in einer Pfanne ohne Fett rösten, bis er anfängt zu duften. Abkühlen lassen. Mirabellen, waschen, trocknen und entsteinen. Butter, Mohn, Zucker und Zitronenabrieb mit einem Schneebesen gut verrühren. Mit dem Daumen dicht nebeneinander Vertiefungen in den Teig drücken. Buttermohnmischung mit einem kleinen Löffel in die Löcher verteilen und entsteinte Mirabellen reindrücken. Schuedi in den Backofen geben und ca. 24 Minuten backen. Durch den saftigen Belag braucht er etwas länger. Abkühlen lassen und mit Puderzucker bestäuben. Schmeckt auch noch am zweiten Tag und bei sommerlichen Temperaturen Reste kühl aufbewahren.

Schuedi mit Mirabellen

Kleine Anmerkung von mir: Ich habe vergessen die Butter rechtzeitig rauszustellen und war dann so ungeduldig, dass ich die Butter für die Mohnmischung in einem kleinen Töpfchen geschmolzen habe. Das war dann natürlich etwas sehr weich und wahrscheinlich musste ich deswegen die Backzeit um 15 Minuten erhöhen, auf insgesamt knapp 40 Minuten. Und ich habe eine runde Form genommen. Der Schuedi war wirklich sehr lecker und kam bei allen gut an! 

Schuedi mit Mohn und Mirabellen

Zum Schluss möchte ich mich ganz dolle bei allen Leserinnen und Lesern bedanken, die beim Brigitte-Foodblog-Award für mich gestimmt haben! Ich bin eine Runde weiter und freue mich, auch darüber, dass so viele nette neue Leute hier gelandet sind. Deshalb an dieser Stelle auch ein herzliches Willkommen an alle! Schön, dass ihr hier seid, ich hoffe, ihr habt ein bisschen Spaß und findet ein paar Anregungen.

21 Comments

  • Schnick Schnack Schnuck

    Das kommt wie gerufen, komme grad mit einem Pfund Mirabellen vom Markt. Ich hatte schon überlegt, ob Mirabellen in diesem Jar eine Renaissance erleben, weil die überall ausliegen und ich mich nicht bewusst erinnern kann, die seit meiner Kindheit so gehäuft gesehen zu haben.

  • Arthurs Tochter

    Ich mag Mirabellen, Pferde und den Schimmelreiter.

    Und ich mag, dass Du den Abstimmungsmonat August bei BRIGITTE gewonnen hast. Du hattest von mir exakt eine Stimme und eine von P. aber die kamen beide von ganzem Herzen! 🙂

  • Manu

    Den Schuedi bei Paule habe ich schon bewundert. Deiner sieht mindestens genauso lecker aus!

    Glückwunsch zum Einzug in die nächste Runde bei BRIGITTE. Ich habe auch nur einmal abgestimmt ( rate mal für wen 😉 ) Wäre nie auf die Idee gekommen, das mehrfach zu tun.

    LG

  • Andrea

    …und ich habe Deinen Blog erst durch die Brigitte kennengelernt, einmal abgestimmt und schaue seitdem regelmäßig rein – vielen Dank und keep cooking:)

  • Gourmande

    Hmmm, sieht das lecker aus!
    Ich bin übrigens auch ein Ex-Pferdemädel… das waren noch Zeiten! Wir sind öfters mal um den Opfinger Baggersee geritten, vielleicht sind wir uns dort ja sogar mal begegnet? 😉

    Und herzlichen Glückwunsch zum August-Sieg, ich drücke die Daumen, dass deine Rezepte es in die Brigitte schaffen!

  • Bella

    Glückwunsch, dass du weiter bist! Habe auch EINmal für dich gestimmt 🙂
    Der Schuedi sieht super aus, da muss ich doch auch mal nach Mirabellen Ausschau halten!
    LG

  • Paule

    Da ist dir aber ein Prachtstück gelungen. Wunderbare Fotos, die einem wieder Mal das Wasser im Munde zusammen laufen lassen.
    Vielen Dank fürs Nachmachen und ganz liebe Glückwünsche für deinen Erfolg beim Brigitte-Foodblog-Award, den du dir zu recht verdient hast. LG, Paule

  • Lemon

    Sehr leckeres Rezept, danke! Mirabellen haben einen wunderbaren Geschmack, umso besser gefällt es mir, hier ein Rezept dazu zu lesen. By the way: sehr schöne Fotos!

  • Christina

    @SchnickSchnackSchnuck: Stimmt, bei mir war auch mal so eine Mirabellen-Flaute, in der sie quasi verschollen waren. Mit Stachelbeeren ging´s mir genau so, die habe ich als Kind superoft gegessen, dann jahrelang gar nicht mehr. Aber die Mirabellen-Renaissance unterstütze ich gerne!

    @AT: Danke Euch beiden! Dir auch herzlichen Glückwünsch zur Nominierung und viel Glück bei der Abstimmung. Schon längst geklickt … 😉

    @Rosa: Danke, auch für´s Taggen, darüber werde ich mir in den nächsten Tagen mal Gedanken machen.

    @Manu: Merci, ich habe mich auch riesig gefreut!

    @Andrea: Danke, und schön, dass Du da bist! Das freut mich auch so an der ganzen Sache, dass auf viele Blogs aufmerksam gemacht wird und vielleicht die/der ein oder andere, die/der die betreffenden Blogs vorher noch nicht kannte, dadurch ein paar schöne Stunden mit Lesen und Rezepte entdecken dort verbringt. 🙂

    @Suse: Ich werde ja ganz verlegen! Danke Dir.

    @Rosa: s.o. 🙂

    @Grain de Sel: Bille und Zottel, ihr luuustiger Freuuund, ein Mädchen, ein Pony … 🙂 Da kann ich jede Zeile mitsingen! 😉 Und stimmt, Schuedi ist glaube ich ein MUSS.

    @TFaK: Ringlo, das klingt lustig, vielleicht führe ich das ja als Bezeichnung bei uns ein! 😉 Ja, danke, ich freue mich wie verrückt! Es ist so ein schönes Gefühl, dass man weiß, das jemand hier liest und es ihm auch noch gefällt.

    @Gourmande: Neee, oder???? :-)) Das könnte sogar echt sein! Ich bin in Mengen und Schallstadt geritten und der Opfinger See war oft unsere große Wochenend-Runde! Lieben Dank für die Glückwünsche.

    @Bella: Merci! Ja, der Schuedi ist wirklich eine Marktrunde für Mirabellen wert. Wenn Du keine findest, kannst Du ja auch mal das Original (oben verlinkt) ohne Obst probieren, das ist ganz sicher auch klasse.

    @Lemon: Danke für das Kompliment. Ich finde auch, Mirabellen sind so herrlich frisch und süß und ach, überhaupt etwas, das man viiiel öfter essen muss.

  • Christina

    @Paule: Oh Gott, jetzt hat es in den Kommentaren doch glatt die Schuedi-Queen und wichtigste Person in diesem Schuedi-Posting verschluckt! 😉 Liebe Paule, vielen Dank für die Glückwünsche und für das tolle Rezept, ich freue mich auf Deine Schuedi-Reihe und melde mich bereits jetzt als fleißige Nachbäckerin. 🙂

  • Paule

    "Schuedi-Queen" gefällt mir :o) Unser Nachbar hat gestern einen Pflaumenkuchen vom Blech gebacken und das Schuedi-Rezept – ohne Butter und Zucker Topping – für den Boden genommen. War auch sehr lecker. LG

  • Christina

    @Paule: Den Titel trägst du auch vollkommen zu Recht! 🙂 Pflaumenkuchen hab ich ja bis jetzt immer nur mit Mürbteig gebacken, das ist bei uns so der Familien-Klassiker, aber da ich jetzt ja Schuedi-angefixt bin… 😉

    @Bolli: Das waren auch die letzten, die ich für dieses Jahr verarbeitet habe.

    @Susanne: Ich mag Mohn auch so gerne, sei es im Kuchen als auch auf Brötchen.

  • Anonym

    Der Kuchen sieht aber sehr lecker aus. Könnte mir vorstellen, dass er auch mit anderen Obstbelag gut schmecken kann.
    Danke für das Rezept.
    Lieben Grüß aus Wien
    Romana

  • Christina

    Hallo Romana, ganz bestimmt tut er das. Ich habe mir schon überlegt, ob ich es jetzt wenn der Herbst kommt mal mit Trauben versuche, dann aber ohne Mohn. Das ist das Schöne, dass man bei einem guten Grundrezept so toll variieren kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.