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Baustellen-Update: Als wäre das Haus schon immer gestanden

Als wir vorgestern nach einer Woche wieder auf die Baustelle fuhren, diesmal einen geringfügig anderen Weg durchs Dorf, und als sich dann plötzlich vor uns auf dem Acker, von dem sich kaum jemand vorstellen konnte, dass er mal bebaut wird (schon gar nicht von mir!), unser wunderschönes neues Haus auftat, war das schon ein epischer Moment für mich. Von weitem, von außen, sieht es nämlich schon fast fertig aus. Das Dach ist gedeckt, die Fenster und Türen eingebaut. Und als wir eingetreten sind, roch alles so unwiderstehlich gut nach frischem Holz und war so lichtdurchflutet, dass ich ganz selig wurde.

Ich habe übrigens mit vielem gerechnet, was den Hausbau beeinflussen könnte. Dass es nun ein Virus ist, das uns nicht nur daran hindert, so oft wir möchten auf die Baustelle zu fahren, sondern quasi die ganze Welt aus ihren Fugen hebt, das stand nicht mal in den Sternen. Ungewollt gewonnene Zeit, die ich dank #stayathome nun gezwungen bin anderweitig zu verplanen, gibt es bei mir irgendwie trotzdem nicht. Stattdessen versuche ich nachmittags mit fast ätzenden Substanzen meinen Longwear Lippenstift vom (kompletten!) Gesicht meiner Tochter zu rubbeln, den sie sich irgendwann heimlich, während ich bis zum späten Mittag vor dem Notebook im Home Office saß, in einem mehrschichtigen Präzisionsverfahren aufgemalt hat. Solche Sachen halt. Also unterm Strich jedenfalls so, dass ich mich glücklich schätzen darf, dass ich durch die Umstände derzeit keine weitaus schwerwiegenderen Probleme habe. Keine solchen, wie es eben die vielen haben, deren Zukunft in diesen Zeiten absolut ungewiss und bedrückend ist. Ich hoffe so sehr, dass es bald eine Lösung gibt und wir alle gut durch diese Zeit kommen.

Ich male mir schon schrullige Sprüche aus, die ich irgendwann meinen Kindern im Teenageralter um die Ohren klatsche, so nach dem Motto: „Jetzt mecker bloß nicht, weil Du heute zuhause bleiben musst! Als dieses Haus gebaut wurde mussten wir drei verdammte Monate zuhause bleiben!!!“ Und dann erinnert man sich wohl zurück, dass in dieser Zeit viel Schlimmeres auf der Welt passiert ist, als der auferlegte Hausarrest. Das wissen wir alle. In dieser seltsamen Zeit bekommt aber gerade der Hausbau für mich nochmal einen ganz besonderen Stellenwert. Wenn wir ins Haus einziehen, ist hoffentlich auch die schlimmste Phase der Pandemie überstanden. Es ist ein bisschen so Fels-in-der-Brandung-mäßig.

Den Raum, auf den ich mich am allermeisten freue, seht ihr oben. Es ist der Wohn-Koch-Essbereich. 3in1, fast alles, was Spaß macht, auf einem Haufen. Praktischerweise liegt der Stapel Fermacellplatten für die Wände in etwa dort, wo später auch unsere Kücheninsel stehen wird, so konnte ich mir das trotz der Mengen an Dämmmaterial im Raum schon ganz gut vorstellen. Es war uns wichtig, diesen Raum möglichst großzügig und lichtdurchflutet zu planen. Denn es ist doch so: Hier werden wir uns am allermeisten aufhalten, hier empfangen wir Gäste, hier steht das Hundekörbchen und sämtliche Höhen und Tiefen des Lebens werden hier (nicht zuletzt dank gutem Essen, natürlich ;-)) gefeiert und hoffentlich überstanden.

An der Westseite meines Lieblingsraums liegt mit knapp vier Metern unser größtes Fenster, das gleichzeitig auch der Zugang zu unserer Terrasse und unserem Garten ist. Die Ausrichtung gegen Westen bringt uns die geliebte Abendsonne und den Blick auf ein schönes, weitläufiges Wiesengrundstück unseres Nachbarn. Dahinter liegt das allerschönste Haus im Dorf, ein Klinkertraum, der einst einer Bekannten meiner Oma gehörte und vor Jahren schon neue Besitzer gefunden hat, die ich noch nicht kenne. Ich hoffe, ich darf irgendwann Bekanntschaft mit ihnen machen, und sei es nur, um ihnen zu danken. Dafür, dass sie dieses wunderschöne, alte Kleinod so geschmackvoll und dezent restauriert haben, dass es äußerlich nichts von seinem ursprünglichen Charme verloren hat.

Bisher arbeitet unsere (jetzt kommt übrigens Werbung von Herzen) Baufirma Hennig Haus weiter und auch die folgenden Gewerke möchten ihre Arbeiten wie geplant ausführen. Ich habe ja im letzten Beitrag zu den Erdarbeiten schon geschrieben, dass wir uns ganz bewusst für regionale Firmen entschieden haben. Auch unsere Baufirma liegt nur etwa zehn Autominuten von unserem Haus entfernt, an den Ausläufern des Großheubacher Bischofsbergs (übrigens ist der ganze Umkreis ein 1a Weinanbaugebiet, was nicht unerheblich zur Vorfreude auf den zukünftigen Wohnort beiträgt ;-)). Alle gehen sehr umsichtig mit der derzeitigen Situation um und es arbeitet immer nur einer bzw. ein Team vor Ort. Gesundheit geht vor, immer, da denken wir zum Glück alle gleich.

Warum wir uns dafür entschieden haben, ein Haus in Holzrahmenbauweise zu bauen, darüber steht eigentlich noch ein Beitrag aus, der für zukünftige Bauherren, die das hier lesen, sicher nicht uninteressant ist. Zumindest habe ich, als wir den Entschluss gefasst haben ein Haus zu bauen, wochenlang Blogs, Bautagebücher & Co. nach Pro und Contra durchforstet, denn auf den ersten Blick liegen Vor- und Nachteile gar nicht sooo klar offen. Oben seht ihr übrigens (abgesehen von dem Typen, der irgendwie auf der Baustelle vergessen wurde ;-)) das Hauptbad. Ich finde es so toll, dass man sich jetzt schon richtig gut vorstellen kann, wie die Räume aufgeteilt sind.

Und last but not least: Wie ihr ja wisst, freue ich mich ganz besonders auf den Garten und die Gestaltung der Außenanlagen. Am Rande des Grundstücks steht schon ein großer Haselnussstrauch, es sprießen mehrere kleine Forsythien-Büschel und die hübschen blauen Sternblümchen blühen auf der gesamten Westseite. Außerdem ragen an vielen Stellen Zweige mit hübschen Knospen und Blüten in einem satten Lachsrosa aus der Erde. Sie scheinen sich wie wild zu vermehren, ich habe aber leider keine Ahnung, wie diese Pflanze heißt. Ihr vielleicht?

Weil unser Grundstück nach hinten ganz schön ansteigt, müssen wir noch einen großen Teil des Gartens begradigen beziehungsweise abtragen. Vor allem die vielen jungen Forsythientriebe würden dem Bagger knallhart zum Opfer fallen, hätte nicht meine Tante (die beste Pflanzenretterin!) eine zündende Idee und vor allem einen eigenen Garten, in dem sie unseren Pflänzchen auf unbestimmte Zeit Asyl gewährt. Demnächst heißt es also Forsythien samt Wurzeln ausbuddeln, vorsichtig in den Garten meiner Tante verpflanzen, und hoffen, dass möglichst viele überleben, so dass sie dann spätestens im nächsten Jahr in ihre alte Hood zurückkehren dürfen. Ich möchte so viel an Pflanzen bewahren, wie möglich. Und gerade Forsythien sind für mich eine schöne Kindheitserinnerung. An zarte, warme Frühlingstage, Sommersprossen im Gesicht und auch an ein bisschen Bauchschmerzen wegen zuviel Schokolade.

4 Comments

  • Cornelia

    Die Pflanzen sind Zierquitten. Der Riesenstrauch bei meiner Mutter ist Sommer wie Winter voller Vögel. Die Quitten sind viel kleiner, haben aber ein ganz feines Aroma und sind essbar. Bei genügend Platz würde ich auf jeden Fall welche stehenlassen!

    • Christina

      Wow super, vielen Dank für Deine Antwort, Cornelia! Ja, ich versuche auf jeden Fall, welche zu retten. Freu mich grad richtig, hoffentlich klappt es. 🙂

  • Micha

    Wie aufregend! Man sieht jetzt schon, wie schön euer Haus wird! Und ich zweifle keine Sekunde, dass ihr ihm mit gutem Geist eine Seele einhauchen werdet!
    Hundekörbchen?
    herzliche Grüße ….
    ach, und eine Frage (meines einst zusammengebastelten Fragebogens) stellt sich: du hast in deinem Garten nur Platz für einen einzigen Baum. Welchen wählst du?

    • Christina

      Dankeschön, liebe Micha. Ja, es darf mindestens ein Hund mit einziehen. Ich wollte schon so lange wieder eine Fellnase an meiner Seite haben, aber hier an unserem Wohnort in der Stadt wäre das nicht mit meiner Vorstellung von einem glücklichen Hundeleben vereinbar. Mal schauen, welcher Hund zu uns findet. 🙂
      Mein einziger Baum wäre eine Tanne. Sie strahlt für mich eine so stoische Ruhe, Gelassenheit und Beständigkeit aus, was mir ab und zu ganz gut tut. 😉
      Außerdem bin ich ja eher ein Freund der kühleren Jahreszeiten, vor allem der Weihnachts- und Winterzeit, und besonders da kann ich mich an dem Duft von Tannennadeln kaum sattriechen.

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